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Als ich im Juni 2025 die ersten Seiten des GGL-Tätigkeitsberichts durchgeblättert habe, war meine erste Reaktion nicht Begeisterung, sondern eine Art ruhige Genugtuung. Endlich Zahlen — keine Schätzungen, keine Branchenkommentare, sondern eine behördliche Buchführung des deutschen Glücksspielmarktes. Für meine Arbeit als Analyst, der seit neun Jahren virtuelle Pferderennen unter dem Mikroskop hat, ist dieser Bericht das, was Bilanzen für Aktionäre sind. Er zeigt, wie viel Geld durch lizenzierte Kanäle floss, wie viele Anträge die Behörde bearbeitet hat — und vor allem, wo die blinden Flecken bleiben. Für virtuelle Rennen ist gerade Letzteres entscheidend: Das Produkt fällt unter die Kategorie virtuelle Sportwette, ist aber im Bericht nicht eigenständig ausgewiesen. Daraus eine Lesart abzuleiten, ist die eigentliche Übung.
Kennzahlen-Überblick 2024
Lassen Sie mich mit einer Zahl beginnen, die ich in keiner Pressemitteilung schön formuliert gesehen habe: 14,4 Milliarden Euro Bruttospielertrag im legalen deutschen Glücksspielsektor 2024, ein Plus von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das klingt nach einer guten Nachricht für die GGL — bis man die Wachstumsraten anderer europäischer Märkte daneben legt. Italien, Schweden, Spanien — alle haben in den vergangenen drei Jahren zweistellig zugelegt. Deutschland kriecht.

Die Steuer- und Abgabeneinnahmen kletterten auf etwa sieben Milliarden Euro, von zuvor knapp 6,6 Milliarden. Wer als Fiskus rechnet, mag zufrieden sein. Wer als Marktbeobachter rechnet, sieht etwas anderes: einen Markt, dessen Wachstum vor allem aus Steuersätzen kommt, nicht aus Marktexpansion. Und die GGL-Beschäftigung selbst ist signifikant — 230 Lizenzanträge und Änderungsgenehmigungen wurden 2024 bearbeitet, 141 Operatoren standen unter laufender Aufsicht. Das ist keine kleine Behörde im Halle-Provisorium mehr.

Was mir bei der Lektüre auffiel: Die virtuellen Sportwetten erscheinen in den Kategorienverteilungen nur als Sammelposten. Ein Spieler, der 1000 Euro auf virtuelle Pferderennen setzt, wird statistisch nicht von einem unterschieden, der dasselbe auf virtuelle Fußballbegegnungen tippt. Diese Unschärfe ist regulatorisch verständlich — produktlogisch ein Ärgernis. Wer wissen will, wie sich der RNG-Pferderennen-Bereich entwickelt, muss sich aus indirekten Indikatoren ein Bild zusammensetzen. Quartalsdaten zur Live-Wette, Anteile am Online-Sportwetten-Wagering, Umsätze bei reinen Slots-Operatoren als Kontrast. Der Bericht liefert die Bausteine, aber nicht das Mosaik.
Ein zweiter Befund aus den Kennzahlen: Die quartalsweise erschienenen GGL-Daten 2025 zeigen Pferdewetten-Einsätze von etwa 25 Millionen Euro im ersten Quartal und 32 Millionen im zweiten — ein Plus von 28 Prozent von Q1 auf Q2. In meiner Lesart ist das Saisonalität — die Galopp-Saison beginnt typischerweise im April — kombiniert mit erhöhter Spielerbindung. Aber: Diese Zahlen mischen reale und virtuelle Pferdewetten. Wer den virtuellen Anteil isolieren will, muss aus Provider-Schätzungen rückrechnen, und dort beginnt die Spekulation.
Lizenzaktivität und Anbieterstruktur
Die Anzahl 230 — Lizenzanträge und Genehmigungsänderungen — ist auf den ersten Blick beeindruckend. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich ein Teil davon als Routine: Erweiterungen bestehender Konzessionen, technische Updates, Eigentümerwechsel. Reine Neuanträge sind seltener. Was mich allerdings interessiert, ist die Zahl 141. So viele Operatoren standen 2024 unter direkter GGL-Aufsicht. Das ist eine erstaunlich kleine Welt, wenn man bedenkt, dass über sie der gesamte legale deutsche Online-Markt läuft.

Im Bereich Pferdewetten ist die Konzentration noch deutlicher. Auf der GGL-Whitelist für lizenzierte Pferdewetten standen 2025 lediglich fünf Operatoren mit sieben Plattformen. Fünf. In einem Land mit 84 Millionen Einwohnern und einer langen Pferdewett-Tradition. Wer virtuelle Rennen anbietet, hat dabei eine doppelte Aufgabe: Die GGL-Sportwetten-Lizenz deckt das RNG-Produkt ab, die Pferdewetten-Lizenz das reale. Mehrere Anbieter halten beide — andere bewusst nur eine. Das prägt das Sortiment, das ein deutscher Spieler überhaupt zu sehen bekommt. Wer mehr Hintergrund zu LUGAS und der praktischen Wirkung der GlüStV-Limits sucht, findet im Beitrag zum LUGAS-Einsatzlimit von 1000 Euro die regulatorische Mechanik dahinter.
Ronald Benter, Vorstand der GGL, fasste die Aufsichtspraxis selbst nüchtern zusammen — die Maßnahmen zeigten Wirkung, die Bekämpfung illegaler Angebote bleibe aber herausfordernd und erfordere Ausdauer und enge Zusammenarbeit mit nationalen wie internationalen Partnern, hieß es im Bericht. Das ist behördlicher Sprachstil, aber ehrlicher als die meisten Branchen-PR-Linien. Es bedeutet im Klartext: Wir kommen voran, aber wir gewinnen nicht.
Schwarzmarkt-Bekämpfung im Berichtsjahr
Wenn ich Kollegen aus anderen Märkten — Italien, Großbritannien, Dänemark — von der deutschen Kanalisierungslage erzähle, ernte ich erst Stirnrunzeln, dann ungläubige Nachfragen. Die GGL schätzt den nichtlizenzierten Online-Anteil auf rund 25 Prozent des Online-Glücksspielvolumens, in absoluten Zahlen auf 500 bis 600 Millionen Euro. Wer im Vereinigten Königreich arbeitet, kennt eine Kanalisierungsrate von 97 Prozent — ein deutscher Spielertyp ist demnach ungefähr achtmal so häufig im illegalen Markt unterwegs wie ein britischer.

Die GGL hat 2024 ihre Werkzeuge geschärft: Payment Blocking gegen unlizenzierte Anbieter, Verfahren gegen Affiliate-Netzwerke, IP-Sperren auf Verwaltungsweg. Im Bericht steht die Zahl der gemeldeten illegalen Domains: 281 deutschsprachige Sportwett-Sites 2023, gestiegen auf 382 im Jahr 2024 — ein Plus von 36 Prozent. Demgegenüber stehen 34 lizenzierte Sportwett-Marken von 30 Operatoren. Das Verhältnis ist 1:11. Es ist diese Zahl, die in jeder Diskussion über deutsche Regulierung präsent sein sollte und es meistens nicht ist.
Für virtuelle Pferderennen heißt das zweierlei. Erstens: Wer auf einer nicht-GGL-lizenzierten Seite virtuelle Rennen spielt, hat keine OASIS-Anbindung, keinen LUGAS-Schutz, keine garantierte Auszahlung. Zweitens: Das Risiko, dass legale Anbieter wirtschaftlich unter Druck geraten und Investitionen in das vergleichsweise margenschwache virtuelle Pferderennen-Produkt zurückfahren, ist real. Margenmathematik schlägt am Ende immer Branchenethos.
Ein weiterer Punkt aus den Aufsichtsdaten verdient Beachtung: Die GGL hat 2024 das Instrument der Verwaltungsverfahren gegen Affiliate-Partner illegaler Operatoren erstmals breit eingesetzt. Wer also auf einer auf Deutsch geführten Vergleichsseite Empfehlungen für nicht-lizenzierte Anbieter findet, betrachtet möglicherweise eine Site, die selbst auf der Schwelle zur Verfolgung steht. Für Spieler bedeutet das nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine praktische Frage — Vermittlungsstrukturen können kurzfristig vom Netz gehen, mit allen damit verbundenen Folgen für hängende Auszahlungen.
Was im Bericht über virtuelle Pferderennen fehlt
Ich habe den Bericht zweimal durchgesehen, mit einem Bleistift, der eigentlich farbig sein müsste — denn es gibt Stellen, an denen ich Gelb für interessant, Rot für problematisch und Grün für überraschend gut hätte verwenden wollen. Eine Farbe blieb fast ungenutzt: die für virtuelle Pferderennen als eigenständige Kategorie. Der Bericht erwähnt das Produkt in der Gesamtkategorie virtueller Sportwetten, ohne eigene Umsatz-, Wagering- oder Spielerzahlen.

Das ist regulatorisch nachvollziehbar — § 3 GlüStV definiert Sportwetten breit, virtuelle Simulationen fallen darunter ohne Unterkategorisierung. Aus analytischer Perspektive ist es ein Defizit. Wir wissen nicht, wie hoch der Anteil virtueller Pferderennen am virtuellen Sportwetten-Volumen ist; wir wissen nicht, wie viele Spielsessions monatlich auf das Produkt entfallen; wir wissen nicht, wie stark sich die Race-Frequenz von zwei oder drei Minuten in Umsatzkurven niederschlägt. Alles, was hierzu existiert, sind Schätzungen aus Provider-Tagungen und vereinzelte SEC-Filings von B2B-Anbietern. Ein deutscher Tätigkeitsbericht, der diese Datenlücke nicht schließt, lässt die Branche im Halbdunkel weiterarbeiten — und Spieler ohne Vergleichsmaßstab.
Mein Wunsch für den Bericht 2025: separate Auswertung virtueller Sportwetten nach Sportart, einschließlich Pferd und Hund. Das wäre nicht aufwendig — die Operatoren melden ihre Daten ohnehin granular. Es wäre nur eine Frage der Veröffentlichungsentscheidung.
Erscheint der GGL-Bericht jährlich und wo finde ich ihn offiziell?
Ja, die GGL veröffentlicht den Tätigkeitsbericht einmal jährlich. Der Bericht erscheint in der Regel im Frühsommer des Folgejahres und ist auf der Website der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder als PDF kostenfrei abrufbar.
Welche neuen Erkenntnisse liefert der 2024-Bericht gegenüber 2023?
Der Bericht zeigt erstmals Wirkung der seit 2023 ausgebauten Aufsichtsinstrumente: höhere Zahl bearbeiteter Lizenzanträge, deutliches Wachstum gemeldeter illegaler Domains und gestiegene Steuereinnahmen. Auch der Bruttospielertrag legte zu, allerdings langsamer als in vergleichbaren EU-Märkten.